Über Heißhungerattacken und andere Entgleisungen

Ein Kekserl in der Küche, ein Stück Schoko aus dem Vorratsschrank, eine Süßigkeit aus dem Kühl- oder Gefrierschrank. Meist beginnt es ganz klein, kann sich aber auch auswachsen zu massiven Heißhungerattacken, die uns besonders gerne abends überfallen.

Auch hier gibt es nicht den einen Grund, sondern verschiedene mögliche Ursachen. Ich will die, die ich kenne, hier einfach aufzählen ohne zu werten oder ordnen.

Vielfach ist die Ursache ein allgemeiner Vitalstoffmangel. Vitalstoffmangel? In unserer Zeit? Obwohl fast alle reichlich und gehaltvoll essen, fehlt es doch oder gerade deswegen an hochwertigen Inhaltsstoffen, an Vitalstoffen. Und wenn es daran fehlt, reagiert der Körper nach einem uralten Programm. Er verlangt nach dem, was vor tausenden von Jahren das Überleben sicherte, nach Fettem und Süßem. Nur waren das früher Fleisch und Früchte, denn Schokoriegel und Eiscreme gab es noch nicht. Heute ist es eher letzteres. Und das ist fatal, weil das zwar sehr kalorienreich ist, dafür aber umso nährstoffärmer – was zur nächsten Heißhungerattacke führt.

Frühstück auslassen hat dieselbe Wirkung, weil uns das natürlich gleich mit zu wenig Nährstoffen in den Tag starten lässt.

Die Geschichte mit dem Blutzucker, der bei Süßigkeiten stark steigt, zu überhöhter Insulinausschüttung und in Folge zu einem zu raschen Sinken des Blutzuckerspiegels führt, was natürlich ebenfalls wieder Heißhunger oder zumindest Hunger zur Folge hat, ist mittlerweile Allgemeingut geworden und muss nicht mehr ausführlich besprochen werden.

Interessanter, weil vielleicht noch nicht so bekannt, ist das Problem des Proteinmangels, insbesondere eines zu wenig proteinreichen Frühstücks. Wer kennt das? Nach einem durch und durch gesunden Mittagessen, mit frischen Gemüsen und herrlichen Salaten, steht man auf mit dem dringenden Gefühl, noch etwas zu brauchen. Man versteht die Welt nicht mehr. Man hat doch diesmal wirklich alles richtig gemacht und der Körper rebelliert, echte Zufriedenheit fehlt. Ganz oft steckt dahinter ein Mangel an hochwertigem! Eiweiß – und zwar nicht nur beim Mittagessen, sondern vor allem beim Frühstück. Und das macht sich dann erst zu Mittag oder besonders gerne am Abend bemerkbar. Schauen wir uns das immer noch verbreitete Frühstück an: Brot, Butter, Marmelade und Kaffee oder Tee – fast ausschließlich Kohlenhydrate. In dieser Hinsicht nicht viel besser ist der auch beliebte Haferflockenbrei mit gedünsteten Früchten. Sicher, er hat mehr Mineralstoffe und Haferflocken enthalten 14% Eiweiß, aber alles in allem ist der Gesamteiweißanteil viel zu niedrig.

Ein ausgewogenes Frühstück zu kreieren, das uns mit allem versorgt ohne zu beschweren, ist immer wieder eine Herausforderung und gleichzeitig die absolut notwendige Grundlage für ein Leben ohne Heißhungerattacken. Darauf lege ich in der Arbeit mit meinen Klienten besonderen Wert. Ich muss wohl nicht extra betonen, dass derartige Entgleisungen fatale Auswirkungen auf Verdauung und Stoffwechsel haben.